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Ausdauer prüfen im Sport – Ist der 12min-Cooper-Test das Gelbe vom Ei?

(Geschätzte Lesezeit: 4 - 8 Minuten)

Gedanken zu einer lehrer- und schülerfreundlichen Alternative


Zum Autor: Gymnasiallehrer in Baden-Württemberg für Sport und Mathematik und begeisterter SportZens-Nutzer

Der Artikel ist etwas länger… hier geht es direkt zum Fazit

Wo liegen die Stärken des Coopertests?

Der Test ist schnell und einfach durchgeführt. Betrachtet man nur die Belastung, ist in 12 Minuten alles vorbei. Die weite Verbreitung ist auch ein Grund, weshalb zahlreiche Tools zum Testen bereits existieren (siehe Abbildung 1 Sportzens). Es gibt zudem offizielle Tabellen, an denen man sich orientieren kann (Schüler*innen akzeptieren Noten leichter, wenn die Werte auf einem offiziell anmutenden Tabellenausdruck stehen). Der Cooper-Test testet nachweislich die Langzeitausdauer und sowohl LehrerInnen, als auch Schüler*innen damit vertraut. Außerdem ist der Test (langjähriger) Bestandteil des Abiturs (u.U. nicht mehr lange).

Cooper-Test in SportZens

Abb.1: Rundenzähler, Schieberegler, Notentabelle. Alles integriert in SportZens (Tablet-Ansicht).

Um zu klären, wo die Schwächen des Cooper-Tests liegen, muss man zunächst überlegen, was das Ziel des Sportunterrichts ist. Die Frage lässt sich also nicht ohne persönliche Färbung beantwortet, weil für ein Argument in beide Richtungen betrachtet werden kann. Beispiel: Die Aussage „Der Cooper-Test treibt die Schüler*innen an ihre Leistungsgrenze oder darüber hinaus.“ kann für und gegen den Test sprechen: a) Toll, dass die Schüler*innen mal richtig gefordert werden oder b) damit kann man jedem Menschen die Lust auf Ausdauersport verderben.

Zunächst möchte ich also ein paar meiner Hauptziele im Bereich Ausdauersport in der Schule mit eigener pädagogischer Färbung erläutern:

Drei pädagogische Perspektiven

P1. Schwächere Schüler*innen zum (Ausdauer)Sport führen

Eine Sportgranate lässt sich von einem Cooper-Test nicht abschrecken. Vielleicht birgt es sogar zusätzlich Motivation, wenn man mal nicht die 15 Punkte bekommt. Sportliche Schüler*innen muss man aber nicht zum Sport führen – sie treiben ihn bereits.
Wenn nach der Ausdauereinheit Schüler*innen sagen „ich jogge jetzt regelmäßig – macht mir Spaß“, dann ist mein Hauptziel erreicht

P2. Gesundheitsperspektive > Leistungsperspektive  Kongruenz von Theorie und Praxis

In der Sport-Theorie bringe ich meinen Schüler*innen bei, dass man langsam und mit großen Umfängen anfangen muss und die Intensität erst nach und nach steigert. Zudem erläutere ich die Bedeutung des Aspekts „gemütlich aber regelmäßig“ für die Entwicklung einer guten Grundlagenausdauer (die eben eine hohe Bedeutung für die Gesundheit und das Wohlbefinden hat).

Wie trainiert man nun aber geschickt auf einen Cooper-Test, wenn vielleicht nur noch wenige Wochen zur Verfügung sind? Tempotraining bei hoher Intensität, um zu lernen mit dem Laktat umzugehen. Im Kernfach kein Problem und vielleicht eine gute Chance die Wiederholungsmethode oder intensives Intervalltraining in der Praxis zu erleben. In den sonstigen Fällen aber etwas fragwürdig…

Und auch für viele Schüler*innen des Kernfachs ist es ein „Aha“-Erlebnis, wenn im Sport nicht alles weh tut, wenn man beim gemütlichen Joggen abschalten kann (psychischer Ausgleich) und sich trotzdem Trainingserfolge einstellen.

Nun zum Hauptproblem, das ich anhand eines Beispiels erläutern möchte:

11. Klasse Sport-Grundkurs: Eine Gruppe ist wirklich motiviert, hat Lust zu laufen und trifft sich regelmäßig. Sie freuen sich, dass der „ganz locker aber regelmäßig“-Tipp so gut funktioniert und merken auch, wie das Laufen einen Ausgleich zum Schulstress darstellt.
Die Leistungskurve klettert schnell nach oben: von 2 Minuten Laufen - 1 Minute Pause unter Schmerzen (Waden, Füße usw.) schaffen es die 5 Schüler*innen eine Stunde locker dynamisch durchzulaufen. Sie schaffen in der Stunde 9 km. Die Lauftechnik hat sich extrem verbessert.
Prima! Die Schüler*innen haben im Sportunterricht etwas für sich entdeckt, das ihr Leben bereichert. Sie hören zu und versuchen sogar ihre Eltern zum Laufen zu überreden. Das einzige Problem stellt nur dar, dass dies nicht einem guten Training für den Cooper-Test entspricht und die Cooper-Test-Leistung somit nicht unbedingt wünschenswert verbessert wird.
Die Benotung mit Hilfe des Cooper-Tests wäre nicht eine Belohnung für genau das Verhalten, das ich mir von den Schüler*innen wünsche, sondern eine Bestrafung. Am Ende ginge es doch wieder um das Aushalten von Schmerzen und die tolle Leistungssteigerung wird nicht bemerkt, wenn man sich nur ansatzweise an die offiziellen Tabellen für die Oberstufe hält.

Ja, auch die Leistungsperspektive ist wichtig. Aber warum nicht beides? Ausdauerlauf als Grundkompetenz für die Gesundheit zu betrachten und entsprechend zu prüfen. Die Leistungsperspektive kann durchaus bei anderen Disziplinen abgehandelt werden (1000m, 400m, 100m, Wurf, Sprung usw.)

Ja, man kann die Tabellen anpassen (auch das ist bei Sportzens möglich), dennoch ist die Pace bei einem 12-Minutenlauf eine völlig andere, als die, die man einem jungen Ausdauersportler für das Grundlagentraining mit breiten Umfängen empfiehlt.
Auf den Körper hören, die Atmung beobachten, vielleicht noch reden können, entspannen, … diese wichtigen Aspekte des Ausdauertrainings, kommen beim 12-Minutenlauf und dessen Vorbereitung zu kurz.

P3. Kosten-Nutzen-Rechnung:

Ich möchte Zeit haben, um auf die Schüler*innen einzugehen und für eine gute Stimmung beim Sporttreiben sorgen. Muss ich mit Tabellen hantieren, die Runden von 30 Schüler*innen gleichzeitig zählen, am Ende in Windeseile die Haltemarken aller Schüler*innen notieren und zu Hause versuchen alle etwaigen Fehler im Nachhinein zu beheben, dann empfinde ich die Stunde als misslungen. Der Cooper-Test ist zwar zeitlich klar umrissen, die Kosten der Durchführung für mich als Lehrer aber relativ hoch. Zudem will ich aber trotzdem belastbare Noten bilden.

Unter diesen Aspekten möchte ich eine Alternative zum Cooper-Test vorstellen (inkl. der passenden Tools, damit die pädagogischen Perspektiven (1.-3.) möglichst gut berücksichtigt werden können).

Kurz lässt sich sagen:

Der Lauf muss länger sein, man sollte weniger in den roten Bereich laufen müssen und der Lehrer soll den Überblick besser behalten können… Schwierig.

Hier der Ansatz:

4000m statt 12min- einige Argumente

A1 Länger laufen heißt: die anaerobe Ausdauer verliert zunehmend an Bedeutung. Man muss weniger in den roten Bereich gehen. Die Pace, die man sich beim Joggen angewöhnt hat, ist der des 4000m-Laufs ähnlicher. Im Vergleich zum 12Minuten-Lauf ist es nun wichtiger mit guter Lauftechnik konstant durchzulaufen.

A2 Die Schüler*innen starten und beenden den Lauf an der Ziellinie (mehr Überblick): Das wäre natürlich bei jedem Vielfachen von 400m (auf einer klassischen Laufbahn) erfüllt. Der Vorteil liegt auf der Hand: Ich warte im Ziel und stoppe Zeiten, ohne Überrundungen und erkämpfte 25m-Marken beachten zu müssen. Geht super mit SportZens: Siehe Abb. 2!

Mittelstrecke in SportZens - Smartphoneansicht

Abb.2: Mit der „Mittelstrecke“-Funktion können Schüler*innen nach Geschwindigkeit vorsortiert werden. Man wartet an der Ziellinie und stoppt die Zeit. Die Note wird entsprechend der vorgewählten Tabelle direkt ausgewählt, gespeichert und die Notenliste kann anschließend exportiert werden (Smartphone-Ansicht).

Ein weiterer Vorteil: Jede/r Schüler*in muss 4000m Laufen. Ist man langsamer, wird man am Ende von den Mitschüler*innen angefeuert – ein schönes Erlebnis. Das dauert manchmal etwas länger, ja. 4000m durchzulaufen, ist aber ein sehr realistisches Minimalziel für Schüler*innen. Auch ein/e schwache/r Schüler*in lernt so auf seinen Körper zu hören und die Kräfte einzuteilen, um ins Ziel zu kommen. Ob dieses „durchlaufen und ins Ziel kommen“ nun einer Note 4 entspricht oder vielleicht sogar einer Note 3, ist Geschmackssache. In SportZens sind Tabellen eingearbeitet, die genau diese pädagogische Wahlfreiheit lassen. (Ein Artikel zur Frage, welche Tabelle man anlegen soll, ist in Bearbeitung.)

Zudem: Da die Cooper-Pace meist über der anaeroben Schwelle liegt, kommt es oft zu Abbrüchen, weil nur wenige ausreichend oft mit den entsprechenden Intensitäten trainieren, um sich an den Wettkampf zu gewöhnen. Aus meiner bisherigen Erfahrung mit 4000m-Läufen kann ich sagen, dass Abbrüche viel seltener sind und Schüler*innen eher bereit sind am Test teilzunehmen, wenn z.B. ein Muskel leicht zwickt.

Fazit:

Wie beginnt man mit dem Laufen? Mit Intensivem Intervalltraining und Läufen im roten Bereich? Nein! Insbesondere für den Gesundheitssport gibt es gute und sinnige Faustregeln, die den Einstieg erleichtern: Oft laufen, aber gemütlich. Nichts soll weh tun, man soll sich zumindest in kurzen Sätzen unterhalten können und beim Laufen entspannen, abschalten. Wichtig ist die Langfristigkeit!

Dann kommt der Cooper-Test … Nicht nur die Schüler*innen sind frustriert, sondern auch die LehrerInnen. Die Schüler*innen drücken sich systematisch vor der Prüfung oder starten, um nach wenigen Runden wieder auszusteigen oder zu gehen.

Die gemütliche Pace, die die Lehrkraft zum Einstieg in den Laufsport empfiehlt, hat mit der Prüfungspace nichts mehr zu tun.

Noten? Der Lehrer pfeift ab. Einige Schüler*innen gehen weiter, ein paar bleiben stehen. Den/die Schüler*in auf der anderen Seite des Sportplatzes kann man leider nicht mehr erkennen. Könnte Peter sein oder vielleicht Sabine? Hält man sich dann noch an die offiziellen Tabellen, hat man auch noch den letzten Schüler*in abgeschreckt, der sich zumindest mal überlegt hat, ob Laufen nicht doch was für ihn sein könnte.

Besser geht es mit dem 4000m-Lauf. Die Schüler*innen kommen alle im selben Ziel an und werden unter Anfeuerungsrufen empfangen. Die Pace ist viel näher an der Joggingpace und mit entsprechenden Tabellen, kann man auch dem/r schwachen Schüler*in fürs Durchhalten eine motivierende Note zukommen lassen. Wie man den 4000m-Lauf benoten sollte, um gerade schwache Schüler*innen zu motivieren, ist ein anderes Thema … ein Artikel ist bereits in Arbeit.

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